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Fast 40 ehemalige Schüler beim Gedenktreffen zum 100. Geburtstag von Karl Kühne
HNA vom 1.Mai 2015. HOLLENSTEDT. Er war ein geachteter und beliebter Mann in Hollenstedt. Bis 1962 war er der Leiter der örtlichen Volksschule: Dorflehrer Karl Kühne. Am 15. April wäre er 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass trafen sich jetzt 28 ehemalige Schülerinnen und zehn seiner Schüler zu einer geselligen Gedenkfeier an den beliebten Pädagogen von einst im Dorfgemeinschaftshaus, der einstigen Volksschule. Organisiert hatten die Veranstaltung Gesine Lockemann und Hartmut Dreyer, und die hatten es nicht nur verstanden, viele ehemaligen Mitschüler zusammen zu holen, sondern auch den Sohn von Karl Kühne, Klaus Kühne, für die Veranstaltung zu gewinnen. Dieser berichtete aus dem Leben seines Vaters und über seine Erinnerungen an die Kindheit in Hollenstedt.

Geboren wurde der einstige Hollenstedter Dorflehrer am 15. April 1915 in Aspenstedt im Kreis Halberstadt, später wohnte er mit der verwitweten Mutter in Kreisfeld bei Eisleben. Im zweiten Weltkrieg wurde Karl Kühne zweimal verwundet, überlebte aber und bewarb sich als Lehrer im Regierungsbezirk Merseburg, wo er aber wegen des Andranges und Bevorzugung von geflüchteten Lehren aus den Ostgebieten nicht genommen wurde. Stattdessen wurde er an die Bezirksregierung Hildesheim verwiesen, die ihm 1945 eine Lehrestelle in Hollenstedt zu wies. 1954 trat er die Nachfolge von Lehrer Blötz als Schulleiter an. Das ergaben die Recherchen von Dr. Albert Keese, der selbst einst die Hollenstedter Volksschule besuchte.

Gründer des Gesangvereins
Auch außerhalb der Schule war Kühne nach den Nachforschungen von Kühne, jun., Keese und Gesine Lockemann an vielen Stellen im dörflichen Leben engagiert. So förderte und gründete er mehrere Vereine, darunter als passionierter Geigenspieler den Gesangverein, der unter seiner Leitung schnell mehr als 100 Mitglieder hatte, einen Handballverein, einen Schachclub und sogar eine Schwimmgruppe.

Schwimmen in der Rhume
Gesine Lockemann: „Als Herr Kühne merkte, dass keiner seiner Schüler schwimmen konnte, gab er uns Schwimmunterricht, und so wurden in unserem Dorf die Rhume und Leine unsere Badeanstalten. Wir machten bei ihm dort sogar unseren Frei und Fahrtenschwimmer.“

211 Schüler
1946 gab es an der Hollenstedter Volksschule sage und schreibe 211 Schüler und etliche Lehrkräfte. „Ab und zu führte Herr Kühne mit uns auch mal Theaterstücke auf, auf der Bühne in Seegers Saal“, erinnert sich Gesine Lockemann. Stücke wie „Die spanische Fliege“, „Um die Wurst“ und „Familie Hannemann“ erheiterten damals Eltern, Verwandte und Bekannte. Als die Hollenstedter Schule 1962 geschlossen wurde, zog Karl Kühne mit der Familie nach Holtensen bei Einbeck und übernahm dort die Schulleitung. Am 8. Oktober 1994 verstarb er. „Er hat Leben in unser Dorf gebracht und unsere Jugend dadurch schöner gemacht“, fasste Gesine Lockemannmann bei dem Treffen die Erinnerung an den alten Dorflehrer zusammen und sprach damit vielen Teilnehmern nach einem schönen Nachmittag aus der Seele. (goe)

 


Bis 1962 war hier die Volksschule: Heute ist in dem Gebäude an der Victoria-Luisen-Straße in Hollenstedt das Dorfgemeinschaftshaus untergebracht. Foto: Gödecke

 

Ortswappen aus  Kühnes Feder

Zu den Verdiensten des  einstigen Dorflehrers Karl  Kühne gehörte nach den Berichten seines Sohnes auch, dass er mit einer Schulklasse das Hollenstedter Wappen entwickelte, das noch heute als offizielles Wappen der Ortschaft gilt. Es zeigt die drei Flüsse, Bölle, Rhume und Leine sowie darüber die Lange Brücke von Hollenstedt.

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