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1075-Jahre-Hullanstedi

Ein kleiner Rückblick in die Vergangenheit und Gegenwart

 

1075 Jahre jährt sich nun die Ersterwähnung des Ortes Hollenstedt in diesem Jahr. Dieses bezeugt eine Schenkungsurkunde, die im 11. Regierungsjahr Otto I. am 04. Mai 947 auf der Pfalz Werla ausgestellt wurde. Damals trug der Ort den Namen „Hullanstedi“.

Das Dorf ist jedoch weitaus älter, Funde aus der Frühzeit bezeugen dies, wie letztens im neuen Baugebiet am Sollingblick. Heinrich Böcker, im Ort oft liebevoll „Heini“ genannt, wurde bereits 1959 in einem Zeitungsartikel der Han. Presse als „bester Spürhund“ des Kreisheimatpflegers Studienrat Georg Ernst bezeichnet. Heini Böcker hatte bis dato über 700 Fundstücke um Hollenstedt herum gefunden.

Hollenstedt lag an einer Heeresstraße und wichtigen Verbindungsstraße. Ein noch bestehendes Rechnungsbuch (1740-1808) zeugt aus der Zeit von Friedrich II bis Napoleon, hier wird beschrieben was die Menschen hier im Dorf erlebten und erleiden mussten. Näheres findet man u.a. auf der Internetseite hollenstedt.net, eine Zusammenfassung von Georg Ernst (1954).

Am 12. Juni 1801 fuhr Goethe auf dem Weg von Weimar nach Bad Pyrmont durch Hollenstedt.

Eine Ortschaft wie jede andere? Nein, jedes Dorf hatte seine Besonderheiten. Im Leinetal des Altkreises Einbeck (bis 1974) hatten viele Orte mit dem Hochwasser zu kämpfen. Hollenstedt liegt an einem kritischen Punkt, hier treffen die drei Flüsse Bölle, Rhume, und Leine aufeinander. Diese führten bei starken Niederschlägen viel Hochwasser mit sich.

Mit der Gründung des Leineverbandes 1958 wurde gemeinsam am Hochwasserschutz gearbeitet. Es sind fast 30 Jahre vergangen bis Hollenstedt mit der Einweihung der Deichanlage im Jahr 1986, hochwasserfrei war. Im Verlauf des alten Leinegrabens wurde die Umgehungsstraße gebaut. Oberhalb des Dorfes, westlich des Sollingblicks, ist ein Stausee entstanden, sodass auch die Hochwasser durch die Bölle gebannt werden.

Die Hollenstedter Mühle an der Leine wurde erstmals 1422 erwähnt. Im 30-jährigen Krieg und im Jahre 1907 wurde die Mühle samt Wohnhaus durch ein Feuer zerstört, 1909 wieder aufgebaut. Neben Mahlerzeugnissen wie Mehl und Öl, wurde ein Sägewerk betrieben und von 1899 – 1981 Strom erzeugt. Hollenstedt versorgte zunächst die umliegende Orte Richtung Sülbeck mit Strom und ab 1910 auch die Stadt Northeim. Im Zuge der Hochwasserschutzmaßnahmen wurde das Wasserkraftwerk (ehem. Mühle) 1982 abgerissen. Ein letztes Zeugnis dieser Mühle zeigt noch das Wohnhaus und das Mühlendenkmal, welches 1993 im Dorfeingang aufgestellt wurde.

1959 bekam Hollenstedt sein erstes eigenes Wappen, die die drei Flüsse mit der 1910 gebauten Brücke darstellt. Der Vorschlag kam vom damals ansässigen Lehrer Kühne, siehe Bild unten.

Ende 1963 wurde die Schule oberhalb des Dorfes, die ebenso 1910 gebaut wurde, geschlossen, die Kinder mussten seitdem zur Mittelpunktschule nach Drüber gehen. Damals schlossen sich einige Ortschaften, u.a. Hollenstedt, zusammen und gründeten einen Schulzweckverband. Die Schule in Hollenstedt wurde 1964 zu Wohnungen und später Ende der 90ziger Jahre zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut.

Mitten im Ort stand eine Kapelle, die gemäß einem eingemauerten Stein mit der Inschrift 1.5.9.1. wahrscheinlich auf das Jahr der Erbauung hinwies. Im Sommer 1966 wurden noch grundlegende Renovierungsarbeiten an der Kapelle durchgeführt und 1970 wurde diese wegen Baumängeln abgerissen.

1971 wurde auf dem 1922 gegründeten Friedhof eine Friedhofskapelle errichtet und 1987 ein Glockenturm gebaut. Vor 1922 wurden die Bürger Hollenstedts auf dem Friedhof in Stöckheim beerdigt.

Nach dem 2. Weltkrieg vergrößerte sich das Dorf, viele Flüchtlinge kamen und gingen, einige blieben. Man war verpflichtet, Flüchtlinge bei entsprechend verfügbarem Wohnraum aufzunehmen. Der Bedarf an Wohnraum stieg. Der Bau der Autobahn im Bereich Hollenstedt in den Jahren 1953 -1958 brachte viele Arbeitsplätze. Anfang der 60er Jahre wurde auf dem damals bezeichneten „Kuhberg“ das Baugebiet des heutigen Gartenweges erschlossen, ebenso in der damals bezeichneten Weglange (heute Victoria-Luise-Straße) wurden Häuser in der Verlängerung hinter dem Friedhof gebaut. Ab Ender der 1960er Jahre wurde die Straße Sollingblick erschlossen.

1928 wurden oberhalb des Sollingblicks das Wasserbassin und eine Wasserversorgung für das Dorf gebaut. Nachdem sich das Dorf vergrößerte, schloss man 1974 einen Vertrag mit dem Wasserverband Landmannsholz. 37 Jahre konnte man das weiche Wasser genießen. Im Jahr 2011 wurde Hollenstedt trotz des Widerstandes der Bürger, an das Northeimer Trinkwasserversorgungsnetz angeschlossen.

1962 wurde auf Höhe des Friedhofs am Fischgraben eine Teilkläranlage gebaut, die das Abwasser aus der Victoria-Luise-Str., Gartenweg und Sollingblick aufnahm und „reinigte“. Alle anderen Häuser und Gehöfte hatten noch ihr sogenanntes Plumpsklo oder ihre eigene Klärgrube. Im Jahr 1981 gab es den Startschuss für eine neue Kanalisation im Ort mit Anschluss an die Kläranlage in Northeim.

1965 bekam die Spar- und Dahrlehnskasse ein Kornsilo und ein Lagergebäude für Saatgut, Düngemittel und Kohlen sowie eine Tankstelle. Diese Gebäude wurden in den 90er verkauft und es entstanden daraus Wohnungen. 1970, wurde die alte Spar- u. Dahrlehnskasse abgerissen und ein neues Gebäude ist entstanden, auch dieses wurde verkauft und zu Wohnzwecken umgebaut.

Nachdem das Dorf ab Mitte der 80er eingedeicht war, der Verkehr außen herumgeführt wurde, die Bölle renaturiert und die Dorferneuerung abgeschlossen war, ist das Leben irgendwie ruhiger und vielleicht auch schöner geworden.

Bis heute ein liebenswertes Dorf mit einem aktiven Vereinsleben, wie z.B. dem Männergesangverein, der seit 1878 besteht und sich 1947 mit dem 1911 gegründeten Gesangsvereins des Handwerker- u. Arbeitervereins zusammenschloss.

Am 18. Juli 1877 wurde die Kyffhäuserkameradschaft Hollenstedt gegründet. Aufgrund der Kriege wurde der Verein 1952 wiedergegründet. 2012 wurde das Vereinsleben wegen Mitgliederschwund eingestellt.

1901 gründete sich der Sportverein, der erste Sportplatz befand sich im Bereich des Mühlengrabens, 1951 wurde dieser an der heutigen Stelle gebaut und mit der 50-Jahr-Feier eingeweiht. 1976 wurde das Sporthaus gebaut und 32 Jahre später der Anbau, der heute für Gymnastik und gesellschaftliche Veranstaltungen genutzt wird. Eine seit Jahrzehnten gewünschte Sporthalle konnte bis heute nicht verwirklicht werden.

Am 25.04.1934 wurde die Feuerwehr gegründet, Ende 1964 gab es das erste Löschfahrzeug und im Mai 1966 wurde das Gerätehaus eingeweiht. Heute, 57 Jahre später, müssen sich die Ortschaften Hollenstedt und Stöckheim zusammentun, um gemeinsam etwas Größeres zu schaffen.

So wie 1981 die Gründung des Angelsportvereins, gemeinsam mit Hollenstedt und Stöckheim wurde die Befischung größerer Flussabschnitte von Rhume und Leine genutzt. Mit dem Vogel- und Naturschutzgebiet sind jedoch mehr als die Hälfte ihrer Angelrechte verloren gegangen.

1992 haben sich beide Dörfer wiederum mit der Gründung des Kindergarten-Fördervereins zusammengefunden und den gemeinsamen Bau mit der Stadt Northeim eines Kindergartens im Jahr 1998 verwirklicht.

Der Karneval wurde in den 1950er bis Mitte der 1960er am Rosenmontag gefeiert. Große Umzüge, die sogar Höckeln übertrafen, zogen Menschen aus nah und fern an. Mitte der 60er bis Ende der 70 er Jahre wurde es ruhig um den Karneval. Doch dann wurde er wieder wachgeküsst mit Pauken und Trompeten. 2002 gründete sich ein eingetragener Verein, der bis heute mit Erfolg sein närrisches Treiben bis weit über die Grenzen von Hollenstedt zeigt.

Im Jahr 2010 hat sich der Junggesellenverein gegründet, die für ihre traditionellen Fußballturniere bekannt sind.

 

Durch die schnelle Entwicklung hat sich vieles verändert. Von den über 25 landwirtschaftlichen Betrieben, gibt es heute nur noch 4 Haupterwerbsbetriebe, wovon zwei Nutztierhaltung haben. Gastwirtschaften und Lebensmittelgeschäfte gibt es keine mehr, in den letzten Jahren haben sich drei Hofläden mit Erfolg entwickelt. Handwerksbetriebe wie Maurer und Tischler sind weiterhin im Ort tätig.

 

Ein liebenswertes Dorf, wo es sich lohnt zu leben. Möge die Entwicklung des Dorfes und die Traditionen im Vereinsleben weiterhin in der Zukunft bestehen.

 

Hollenstedt im Mai Anno 2022, Oliver Seeger - Ortsheimatpflege

 

19.09.1959 Hannoversche Presse

Hollenstedter Wappen nach Zeichnung von Lehrer Kühne

 

 

 

 

 

 

Erklärung der Flurnamen in der Germarkung Hollenstedt

Quelle: Buchbände 1+2  "Flurnamen der Stadt Northeim"

von Klaus Gehmlich, Papierflieger Verlag GmbH 2017/2018

 

Bettbühren

mittelniederdeutsch. ,,beddesbüre" der,,Bettbezug" - Das Flurstück wäre demnach klein und kurz.

 

Birnbaum

Es fällt auf, dass es sich meist um ein Einzel-Exemplar in der Feldmark handelt. Der wilde Birnbaum war ein beliebter Orientierungspunkt in der Landschaft.

 

An der Bollase

Mit ,,boll" ist ein ,,Hügel", eine ,,rundliche Bodenerhebung" gemeint, und das Grundwort,,ars" ist mit hochdeutsch. ,,Arsch" zu übersetzen. ,,Bollase" ist also die anschauliche Beschreibung für: ,,Berg, rund wie ein Arsch".

 

Caroline

Auf den ersten Blick wird man in diesem Flurnamen den weiblichen Personennamen ,,Caroline" sehen. Wenn der Name den Besitzer anzeigt, zeigt er jedoch im Allgemeinen eine Genetiv-Endung. Diese und / oder das Grundwort fehlen aber. Man kann den Namen ,,Caroline" in ,,car-o-line" zerlegen' Aus ,,o" ist dann ,,Aue" abzuleiten, ,,line" ist auf die ,,Leine" zu beziehen, was zusammen eine ,,Leine-Aue" ergibt. Schwierig ist es mit ,,Car" oder ,,kar". Das Flurstück liegt am Zusammenfluss

von Rhume und Leine. Hier beginnt zudem der Graben für die Edesheimer Mühle. Der Zufluss in den Mühlengraben konnte durch ein Wehr reguliert werden. Und "kehr" Wird ein ,,Wehr zum Abwenden des Wassers" genannt, so ist aus ,,kehr-ow-line" ein ,,Karoline" geworden, das - rückwärts gelesen - ein ,,Leine-Aue-Wehr" ergibt, ein ,,Wehr in der Leine-Aue"

 

Eichholz

Mit dem Begriff "Eichholz" ist ein Eichenwald gemeint.

 

Großer Fleck

ist abgeleitet von mittelniederdeutsch. ,,Vlege = Haken", und damit ist ein markanter Gewässer-Abzweig bezeichnet.

 

Heide

Mit,,Heide" waren bei uns in der Regel nicht etwa Flächen mit Heidekraut und Wacholder benannt. ,,Heide" bedeutet soviel wie,,Ödland, unbebautes Land". Häufig kennzeichnet der Name eine Grenze. ,,Heiden" ist ein alter Name für ,,trennen". Die hier genannten Flurstücke liegen alle entweder direkt an der Grenze oder wenigstens im Grenzbereich.

 

Helleberg

Der Helleberg hat zu seinen Füßen einen tiefen Grund. Helle steht hier für "Hölle = Schlucht"

 

Hinter der Mühle

Die ehemalige Wassermühle von Hollenstedt war eine der bedeutendsten Mühlen in Südniedersachsen. Sie hatte 5 Wasserräder und war Mahl-, Öl-, und Sägemühle. Erstmals wurde sie 1422 erwähnt, als Herzog Erich die Mühle dem Augustiner-Kloster in Einbeck schenkte. lm Jahre 1538 ist eine neue Mühle gebaut worden, die vermutlich im 30-jährigen Krieg zerstört wurde, denn 1678 ist erneut von einem Neubau die Rede, der dann 1905 abgebrannt ist. Unter Hermann Lockemann, der die Mühle 1870 gekauft hatte, wurde sie für die Stromerzeugung umgerüstet und lieferte bereits 1912 so viel Strom, dass die Stadt und der Bahnhof von Northeim damit versorgt werden konnten. Für den Bau der Hochwasser-Schutzanlagen hat der Leineverband die Mühlengebäude erworben und 1982 abgerissen.

 

Vor dem Höckelheimer Feld

Die erste urkundliche Erwähnung von Höckelheim erfolgt in einer Urkunde Kaiser Heinrich ll. vom 10. Januar 1016.,,Hukilhem" wird darin als bedeutende Besitzung des Bischofs Meinwerk von Paderborn bezeichnet. Bekanntlich ist die ,,erste" urkundliche Erwähnung immer eine zufällige. Auch Höckelheim ist natürlich älter, und das geht auch aus der in Dortmund ausgestellten Urkunde hervor. Meinwerk, Sohn des Grafen lmmad aus lmbshausen und späterer Bischof von Paderborn, hatte mit Heinrich, dem späteren Kaiser, gemeinsam die Domschule in Hildesheim besucht.

Meinwerk war 1009 in Anwesenheit des Kaisers zum Bischof geweiht worden. Er vermachte seine Erbgüter seiner Mutter Adala. Die hat diese Güter dem Kaiser übertragen. Heinrich wiederum schenkte sie weiter, und zwar mit oben genannter Urkunde der bischöflichen Kirche in Paderborn. lm Jahre 1247 stifteten Ludolf ll., Gottschalk ll. und Poppo aus dem Geschlecht derer von Höckelheim auf ihrem Stammsitz ein Zisterzienser-Nonnenkloster. Sie nannten sich zu dieser Zeit bereits nach ihrer Burg ,,Edelherren von Plesse". Sie stellten das Kloster unter das Patronat der Heiligen Maria. Erste Priorin war Anna von Plesse, eine Tochter Gottschalk ll. Das Adelsgeschlecht nannte sich in den Urkunden einmal nach ihrer Burg ,,von Plesse", dann wieder nach ihrem Stammsitz ,,volt Höckelheim", anscheinend abhängig davon, wo gerade beurkundet wurde. Anno 1447 begaben sich die Herren von Plesse in Lehnsabhängigkeit der Landgrafen von Hessen. Als das Geschlecht ausstarb, kam Höckelheim 1571 unter hessische Herrschaft und bildete bis 1815 eine Exklave im Herzogtum Braunschweig / Königreich Hannover. Der Ort wurde von mehreren verheerenden Brandkatastrophen heimgesucht, so unter anderem 1811, als nur ein Haus unversehrt blieb. Der Name ,,Hukilhem" bedeutet soviel wie ,,Siedlung an / auf dem Hügel".

 

Am Hohen Ufer

Hier ist das Ufergebiet der Leine an einem steilen Hang

 

Höhlengarten

Das Flurstück liegt zwischen dem dem Tiefeingeschnittenen Bachlauf der Bölle und einem Hohlweg deutlich erhöht.

 

Honigbeerbreite

Als ,,Honigbeere" wird manchmal die ,,Blaubeere" bezeichnet. Als ,,Honigbreite" wäre es der metaphorische Name für einen ,,fruchtbaren Acker'. Am Rand zu den Tälern hin werden auf diesem Flurstück Blaubeerbüsche gestanden haben.

 

Hollenstedt

Hollenstedt war ein Straßendorf an der Heerstraße westlich der Leine. Der Ort wurde mehrfach gebrandschatzt und zerstört. Die erste urkundliche Erwähnung von Hollenstedt erfolgt in einer Urkunde König Otto l. vom 4. Mai 947. Der König bestätigt in dieser Urkunde, die in der Pfalz Werla bei Schladen ausgestellt ist, dem Kloster Gandersheim die von seinem Großvater, Otto dem Erlauchten, Herzog von Sachsen

verliehenen Besitzungen, darunter ,,villa Hullanstedi", und fügt eine neue Schenkung hinzu. Am 23. Mai 1139 bezeugt "Tietwinus de Hollenstett" im Gefolge des Erzbischofs von Mainz auf dem Rusteberg eine Güterregelung zugunsten des Klosters Katlenburg. lm Jahre 1238 hielt Graf Adolf von Dassel Gaugericht des Suilvergaus in ,,Hollenstad" ab. I m Jahre 1409 führte eine Fehde zwischen den Herren von Uslar-Gleichen und Herzog Otto dem Einäugigen wegen verschiedener "Gerechtigkeiten", also Ansprüchen in und um Hollenstedt, zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Anno 1447 führle der Heereszug von Herzog Wilhelm von Sachsen zur Soester Fehde durch den Ort, ebenso 100 Jahre später der Heereszug von Graf Albrecht von Mansfeld. Weitere Kriegs-Drangsale erlitt die Bevölkerung im 3O-jährigen und vor allem im 7-jährigen Krieg. Anno 1779 schrieb RÜHLING über Hollenstedt'. u... die Einwohner ernähren sich von Acker- und Leinbau, pflanzen Tabak und betreiben Viehzucht. Dessen Flure sind bis weiten den Überschwemmungen der Leine ausgesetzt...". CASEMIR bietet zwei Erklärungen für den Ortsnamen an, und zwar zunächst den Personennamen ,,Huldo". Und dann: ,,... Vielleicht kann Hollenstedt ... als 'leicht erhöhte Grasstelle mit sumpfigem Boden' gedeutet werden ...". Das ,,Hollenstedter Feld" gehörte früher zu Hollenstedt, wurde vor der Verkoppelung von Höckelheimern gekauft und ist dann zu Höckelheim gekommen.

 

Hopfenberg

Ein Flurname mit dem Bindewort ,,Hopfen" signalisiert Hopfenanbau oder weist auf Stellen hin, wo früher wilder Hopfen anzutreffen war. Den wilden Hopfen verwendete man in erster Linie zum Eigenbedarf. Er wuchs bevorzugt auf bachnahen Auen, war aber auch an Hecken und in Erdfällen anzutreffen. Vor allem an den Hängen des Wieter und in der Ruhme-Aue gab es in Northeim "Hopfengärten"

Als Rohstoff zur Bierbereitung ist Hopfen in Deutschland seit dem 8. Jh. bekannt. Er wurde meist gartenartig am Rand der Feldflur angebaut. Fichtenstangen dienten als Rankhilfe und wurden auch ,,Hoppenstangen" genannt.

Ende des 13. Jahrhunderts wurde in Einbeck Land übergeben mit der Verpflichtung, jährlich auf einem Teil davon Hopfen anzupflanzen. Für Northeim ist der Anbau von Hopfen 1305 bezeugt. Anno 1383 ordnete der Rat der Stadt Braunschweig an, dass kein Bürger mehr als den dritten Teil seines Landes mit Hopfen bepflanzen dürfe, um der Minderung des Getreideanbaues entgegen zu treten.

Das alles lässt auf eine starke Nachfrage schließen. Dennoch schwankte der Erlös aus dem Hopfenanbau außerordentlich. Seit dem 17. Jahrhundert wurde der Anbau hier zum großen Teil wegen geringerer Qualität aufgegeben.

 

Kamp

Ein Kamp ist ursprünglich ein durch Hecken, Wassergräben oder Wälle eingefriedetes Flurstück.

 

Landwehr   

Die Landwehr, im Gelände noch gut auszumachen, lief vom Böllenberg bis zur Leine und querte die Heerstraße unterhalb der Zollstation "Steinkuhle".

 

An der Masch

Mit "Masch" ist "wasserreiches, in der Niederung gelegenes Weideland ..." benannt.

 

Obervorwand

Der Name ,,Vorwende" ist als postverbale Bildung zu mnd. ,,vorwenden = umwenden, umdrehen" des Pfluges anzusetzen. Ursprünglich war gemeint, dass hier in der Hanglage ,,oben" der Pflug umgewendet werden musste.

 

An den Oeläckern 

Der Flurnamen "Oel" steht für "sumpfiges Gelände". Die ,,Oeläcker" liegen oberhalb des Sumpfgebietes der Bölle.

 

Rohberg

Es ist ursprünglich wohl ein „Rodeberg“, der bei Erweiterung der Ackerflur gerodet wurde.

 

Runder Teil            

,,Rund" erscheint manchmal als Zusatz in Namen für Flurstücke von kreisförmiger oder fast kreisförmiger Gestalt.

 

Vor dem Salzberg

Unterhalb des ,,Salzberges", am Steilhang, befindet sich eine schwache Salzquelle.

 

Stroot

Der Name weist auf sumpfiges Gelände hin. Mit ,,strot" oder ,,straut" ist eine mit Dickicht oder Gebüsch bedeckte Fläche, meist in sumpfigem Gelände, bezeichnet. Hier handelt es sich um ein Quellgebiet.

 

Steinkuhle

Die Zollstation ,,Steinkuhle" lag an der Heerstraße von Süddeutschland nach Norden zwischen Höckelheim und Einbeck westlich der Leine. Nach der Verkoppelung sind nur zwei dieser Wege erhalten. Der eine verläuft am Steilufer zum Leinetal entlang, der andere zweigt am Ortsausgang von Höckelheim nach Norden auf den Lämmerberg ab. Mit Sicherheit wurde auch die heutige Kreisstraße nach Hollenstedt früher schon genutzt. Diese Trasse wird aber oft versumpft gewesen sein.

Die Zollstation ,,Steinkuhle" lag auf einer Höhe oberhalb der Landwehr und der Steinbrüche, denen sie den Namen verdankt. Von hier aus hatte man eine gute Aussicht ins Braunschweigische und zur Hollenstedter Warte auf der anderen Seite der Grenze.

Am Zollhaus dürfte sich, wie allgemein üblich, ein Straßenkrug befunden haben. Landwehr und Zollhaus werden unter anderem 1514 genannt. Um 1700 fand am Zollhaus ein Geleitwechsel zwischen den Ämtern Rotenkirchen und Moringen statt. Handelszüge wurden von Bewaffneten begleitet, um Überfälle zu verhindern.

Die Landwehr, im Gelände noch gut auszumachen, lief vom Böllenberg bis zur Leine und querte die Heerstraße unterhalb der Zollstation. Landwehren wurden im Laufe des '14. Jahrhunderts angelegt. Sie bestanden meist aus Gräben und Wällen, die mit dichten ,,geknickten" Hecken und Büschen bestanden waren. Nur an den dazu vorgesehenen Durchlässen konnten Landwehren passiert werden. Auf diese Weise versuchte man den Verkehr zu lenken, damit Zollstellen nicht umgangen werden konnten.

 

Stieg

Der Ausdruck "Stieg" steht für einen "schmalen Weg" aber auch für einen "steilen Weg". Manchmal trifft beides zu. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit stand der Name für einen Weg, der mit einem Karen nicht zu befahren war.

 

Straße

Die Straße von Northeim über Höckelheim und Hollenstedt nach Einbeck war bis in das 17. Jahrhundert stark frequentiert. So führte 1447 der Heereszug von Herzog Wilhelm von Sachsen zur Soester Fehde von Mühlhausen aus über diese Straße, ebenso der Heereszug des Grafen Albrecht von Mansfeld ein Jahrhundert später von Nordhausen auf Bremen. In den Jahren 1602 und '1609 war es eine Teilstrecke des Fernverkehrs von Augsburg nach Hamburg. Der ,,chausseemäßige" Ausbau der Straße erfolgte 1856.

 

Beim Turmwege

Dieser "Turmweg" führte auf die Landwehr zwischen Hollenstedt und Höckelheim mit der"Hollenstedter Warte" zu.

 

 

 

Das Amt des Ortsheimatpflegers ist ein Ehrenamt. Ortsheimatpfleger existieren in vielen Orten Deutschlands, in Städten, in Gemeinden und in Gemeinde- und Stadtteilen. Oft sind Ortsheimatpfleger im Vorstand örtlicher Heimatvereine. In Nordrhein-Westfalen sollen Ortsheimatpfleger Mitglied im Westfälischen Heimatbund sein, damit sie das damit verbundene Stimmrecht im Heimatbund erwerben. Auch in Bayern werden die Ortsheimatpfleger Mitglied beim bayerischen Landesverein für Heimatpflege. Der Ortsheimatpfleger wird vom Kreisheimatpfleger bestellt.

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