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Zum ersten Male wird das Dorf nach Aussagen einer Ortschronik um 900 in einer Urkunde erwähnt, durch die Herzog Otto der Erlauchte die "villa Hollenstede cum omnibus appendicitis" der Abtei Gandersheim schenkt.Über die Bedeutung des Namens Hollenstedt gibt es nach Auskunft der Chronik verschiedene Ansichten. Am wahrscheinlichsten ist aber die Erklärung, dass noch heute die von Norden her über Stöckheim in das Dorf führende Straße als der "hollige Weg" bezeichnet wird. Vermutlich haben sich die ersten Siedler des höher gelegenen westlichen Teils des heutigen Dorfes durch Eingraben eines Hohlweges in den südlichen Abhang des Waseberges einen Zugang verschafft. Der "hollige Weg" hat, nachdem er längst zu einer breiten Fahrbahn ausgebaut ist, seinen Namen behalten. Vermutlich wird er der Siedlungsstelle den Namen "hollige Stie" gegeben haben, was sich im Laufe der Zeit zu "Hollenstie" oder auf Hochdeutsch zu Hollenstedt, abgeschliffen hat.

(Verfasst von G. Lockemann und G-. Ernst; ausgegraben von Alfred Behlau)
Das 5 km. nordwestlich von Northeim gelegene Dorf Hollenstedt dehnt sich vom linken Leineufer nach Westen bis zur Anhöhe des Waseberges 1 km. lang aus. Seine Siedlungsgeschichte beginnt, wie Dr. P. Geschwendt auf Grund der Bodenfunde festgestellt hat, in der mittleren Steinzeit. Hollenstedt ist im Kreise Einbeck dafür bekannt, daß hier eine siedlungsgeographische Forschungsarbeit durchgeführt worden ist, die vorbildlich für den gesamten Kreis Einbeck sein muß. (Über die Einzelheiten orientiert eingehend F. Geschwendt, Die ur- und frühgeschichtlichen Funde des Kreises Einbeck, Verlag Lax, Hildesheim, 1954» Seite 89 ff.) Die Siedlung Steinkuhle am Salzberg lieferte Funde aus der jüngeren Stein-, der Bronze-, Spätlatene-, aus der römischen Kaiserzeit und dem Mittelalter.Eine stattliche Reihe von Steingeräten lieferten die Öligäcker auf der Anhöhe westlich von Hollenstedt, weiter der Fundplatz am Nordausgang des Dorfes, auf einem Acker im früheren Eichholz, in dem Raune zwischen Salzberg, Steinkuhle und Dorf, an einer ganzen Reihe von Stellen in der Gemarkung Feuersteinsplitter, Pfeilspitzen, Scherben von brandkeramischen Gefäßen.

Wissenschaftler und Studenten der Uni Regensburg graben bei Hollenstedt nach Spuren einer Siedlung aus der Zeit um 5000 vor Christus


HNA 15. August 2012 HOLLENSTEDT. Die Spuren der Vergangenheit sind tief im Boden des Ackers sichtbar. In direkter Nachbarschaft der Autobahn, nahe der Ortschaft Hollenstedt, wo Professor Tho- mas Saile von der Universität Regensburg und sein Team graben, war in der Jungstein- zeit eine Siedlung, die von einem ungewöhnlich großen Graben-Wall umgeben war. „Das kann keine Verteidigungsanlage gewesen sein“, erklärt Saile.


Siedlungen in der bandkeramischen Zeit, etwa 5500 bis 4900 Jahre vor Christus, bestanden nach seinen Worten aus nicht mehr als zehn Häusern. Schon der bisher bekannte Teil des Walls, von dem allerdings noch nicht feststeht, ob er tatsächlich ein geschlossener Ring war, ist an die 500 Meter lang. Er wäre von den Bewohnern einer kleinen Siedlung nicht zu verteidigen gewesen. Ort für rituelle Feste Sailes Hypothese ist, dass der Wall der vor 7000 Jahren von einem bis zu zehn Meter breiten äußeren und einem schmalen inneren Graben ein- gefasst war, eine Art Festplatz umschlossen hat. Zwar sei der Ort dauerhaft bewohnt gewesen, aber wahrscheinlich sind nach den Worten des Frühgeschichtlers dort „vielleicht ein-, zweimal im Jahr die Menschen aus einem weiteren Umkreis zu rituellen Festen zusammengekommen. Solche Kontakte seien für die in Kleinsiedlungen lebenden Menschen der Zeit wichtig gewesen. „Die wären sonst an Inzucht zugrunde gegangen“, sagt Saile.

Magnetfeld

Dass das Areal westlich des Salzbergs in der Steinzeit besiedelt war, ist seit langem bekannt. Den Verlauf des Walls und der beiden Gräben hat Sailes Team mit der so genannten Magnetprospektion des Geländes entdeckt. Dabei werden winzige Veränderungen im Magnetfeld des Erdbodens sichtbar gemacht. So wussten die Wissenschaftler genau ,wo sie graben mussten. Neben der Lage der parallel verlaufenden beiden Gräben, zwischen den sich einst der Wall befand, wurde für sie außerdem sichtbar, wo die Menschen der Bandkeramikzeit Vorratsgruben hatten.

Bei der Grabung wurde auch klar, dass in der Eisenzeit der Graben durch Erosion bereits wieder mit Erde gefüllt war. Denn es gibt Spuren einer Vorratsgrube aus dieser Zeit (etwa 300 Jahre vor Christus). Heute beenden die Archäologen ihre Arbeit. In zwei Wochen wollen sich Bodenkundler die Grabungsstelle ansehen, um Erkenntnisse über die Erdbeschaf-fenheit vor 7000 Jahren zu gewinnen.

 

 

 

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