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(Verfasst von G. Lockemann und G-. Ernst; ausgegraben von Alfred Behlau)
Das 5 km. nordwestlich von Northeim gelegene Dorf Hollenstedt dehnt sich vom linken Leineufer nach Westen bis zur Anhöhe des Waseberges 1 km. lang aus. Seine Siedlungsgeschichte beginnt, wie Dr. P. Geschwendt auf Grund der Bodenfunde festgestellt hat, in der mittleren Steinzeit. Hollenstedt ist im Kreise Einbeck dafür bekannt, daß hier eine siedlungsgeographische Forschungsarbeit durchgeführt worden ist, die vorbildlich für den gesamten Kreis Einbeck sein muß. (Über die Einzelheiten orientiert eingehend F. Geschwendt, Die ur- und frühgeschichtlichen Funde des Kreises Einbeck, Verlag Lax, Hildesheim, 1954» Seite 89 ff.) Die Siedlung Steinkuhle am Salzberg lieferte Funde aus der jüngeren Stein-, der Bronze-, Spätlatene-, aus der römischen Kaiserzeit und dem Mittelalter.Eine stattliche Reihe von Steingeräten lieferten die Öligäcker auf der Anhöhe westlich von Hollenstedt, weiter der Fundplatz am Nordausgang des Dorfes, auf einem Acker im früheren Eichholz, in dem Raune zwischen Salzberg, Steinkuhle und Dorf, an einer ganzen Reihe von Stellen in der Gemarkung Feuersteinsplitter, Pfeilspitzen, Scherben von brandkeramischen Gefäßen.

Über die Bedeutung des Namens Hollenstedt sind verschiedene Ansichten geäußert, doch ist nichts Sicheres darüber bekannt. Vielleicht läßt sich die Entstehung des Namens auf folgende Weise deuten: Noch heute wird die von Norden her über Stöckheim in das Dorf führende Straße als der hollige Weg bezeichnet. Wie die vorgeschichtlichen Bodenfunde ergeben haben, ist die Besiedlung des Leinetals ganz allgemein von den höher gelegenen Stellen aus erfolgt, was bei den hier herrschenden Hochwasserverhältnissen ohne weiteres verständlich ist. So brachten auch Grabungen an dem südlich von Hollenstedt gelegenen Salzberge und an der "Steinkuhle" Reste aus der Jungstein- und Bronzezeit zu Tage. Vermutlich haben sich nun die ersten Siedler des höher gelegenen westlichen Teils des heutigen Dorfes Hollenstedt durch Eingraben eines Hohlweges in den südlichen Abhang des Waseberges einen Zugang verschafft. Daß sich hier am Ufer des Böllenbaches die älteste Siedlungsstelle befindet, geht auch aus den von Heinrich Böcker gemachten Bodenfunden hervor. Der "hollige Weg" hat, auch nachdem er längst zu einer breiten Fahrstraße ausgebaut ist, seinen Namen behalten und wird vermutlich auch der Siedlungsstelle den Namen "hollige Stie" gegeben haben, was sich im Laufe der Zeit zu "Hollenstie"., oder auf hochdeutsch "Hollenstedt", abgeschliffen hat.
Das Dorf wird zum ersten Male um 900 in einer Urkunde erwähnt, durch die Herzog Otto der Erlauchte die "villa Hollenstede cum omnibus appendicitis" der Abtei Gandersheim schenkt. Eine andere Nachricht stammt aus dem Jahre 1238, wo Graf Adolf von Dassel in Hollenstedt das Gaugericht des Suilberggaues abhielt. Am 5. November 1342 übergab Herzog Ernst den Zins von 12 in der Hollenstedter Feldmark belegenen Hufen, Gandersheimisch Gut genannt, welche ihm der Priester Heinrich von Benhusen (Bensen) resigniert hatte, 11 Morgen Roggen und ebensoviel Hafer nebst einem Vierding Silbers dem Marienstifte vor Einbeck, um damit unter Zuhilfenahme von 6 Maltern Roggen aus den Stiftseinkünften 4 Chorsänger für den Gottesdienst zu unterhalten. 1427 wurde Herzog Otto dem Jüngeren am Peterstage "als eme die Benden entsprungen" am 2. August von der Äbtissin Agnes von Gandersheim, der Tochter seines Bruders Erich, 3 Hufen Landes in Hollenstedt als Lehen gegeben. Hollenstedt hatte, wie die anderen Dörfer des Leinetales, wiederholt unter kriegerischen Plünderungen und Brandschatzungen mit den dadurch verursachten Hungersnöten und Seuchen zu leiden. Herzog Otto der Jüngere führte 1408 eine Fehde mit den Herren von Uslar auf den Gleichen. Die Junker von Uslar machten nämlich Anspruch auf gewissen Gerechtlichkeiten in Hollenstedt und dessen Feldmark. In der Fehde kam es zu Raub und Plünderungen auf beiden Seiten, weil Hollenstedt von seiner ordentlichen Obrigkeit nicht abgetreten werden sollte. Herzog Otto legte auf Kosten des Dorfes 12 reisige Knechte hinein, mit deren Hilfe es den Hollenstedtern gelang, die Feinde, welche sie überfallen und Vieh rauben wollten, in die Flucht zu treiben, die Hengste von 2 gefallenen Knechten in ihre Gewalt zu bekommen und sie ihrem Landesfürsten als Beutepfennige zu verehren. Als Gegendienst für dieses Geschenk verlieh Herzog Otto seinen Untertanen zu Hollenstedt 1409 eine Hufe Landes daselbst, welche er den Junkern von Uslar auf den Gleichen abgenommen hatte. Von dieser Hufe sollten jedoch zu einer Urkunde 6 Pfund Geldes Einbeckscher Währung an das Haus Salzderhelden gegeben werden.
Im Jahre 1462 begann ein lang andauernder Krieg zwischen den Hansestädten und den Herzögen zu Göttingen, der dadurch entstand, daß Herzog Friedrich, der die Wegelagerei fleißig betrieb, die Fuhrleute von Lüneburgischen Kauffahrern gezwungen hatte, das geraubte Gut auf das Schloß Moringen zu fahren. Durch die Einmischung der Stadt Einbeck in den Streit wurde das umliegende Grubenhagensche Land allen Kriegsnöten ausgesetzt, und so geschah es, daß 14-66 Hollenstedt und Stöckheim mit anderen Dörfern verbrannt und zerstört wurden.
Auch von den Nöten des Dreißigjährigen Krieges blieb Hollenstedt nicht verschont. Das war vor allem in den Jahren 1632, wo die Kaiserlichen Truppen unter Pappenheim Einbeck eroberten, und 164-1, wo Piccolomini Einbeck zur Übergabe zwang. Einzelheiten darüber, wie sich dieser Krieg gerade in Hollenstedt auswirkte, liegen nicht vor.
Wie das Dorf im Siebenjährigen Kriege in Mitleidenschaft gezogen wurde, zeigt das Hollenstadter Rechnungsbuch von 1740-1808. Da Hollenstedt an der wichtigsten Verkehrsstraße am linken Leineufer liegt, so mußte es bei den ständigen Durchmärschen der Truppen besonders leiden. Schon im Sommer 1756 zwangen französische Truppen Hollenstedter Fuhrleute, Proviant nach Hameln und Bielefeld zu fahren. 50 Thaler mußte Hollenstedt allein an Zehrgeld für sie aufbringen. Nach Northeim war Vieh abzuliefern, wofür Christoph Seebrecht für 1 Stück 13 Thaler und Johann Heinrich Hesse 11 Thaler aus der Gemeindekasse erstattet wurden. Für die im Dorfe selbst zu versorgenden Truppen hatte Ernst Schütte ein Stück Rindvieh zum Schlachten zu liefern, wofür er 9 Thaler erhielt; für einen an die Franzosen zum Schlachten gelieferten Hammel erhielt Zacharias Hesse 1 Thaler 9 Groschen. Das Amt Salzderhelden ließ aus Hollenstedt wiederholt Gespanne liefern, die Fuhren für die französische Armee zu leisten hatten. Da die nach Hameln geschickten Wagen und Pferde nicht wieder zurückkehrten, wurden Hollenstedter Knechte ausgeschickt, um die Gespanne aufzusuchen. Nichts war vor den französischen Soldaten sicher. Selbst der Kuh- und Schweinehirt wurden als Nachtwachen bestellt, um Raub und Diebstahl zu verhindern. Wollten sich die einheimischen Bauern mit den Franzosen verständigen, so übernahm bei den Auseinandersetzungen ein Dolmetscher die Vermittlung, wofür selbst dieser mit 6, 9, 12, 15, 18 Groschen für seine Dienste zu entschädigen war. Verschieden war, was der Billetmacher bei einer neuen Einquartierung erhielt. Einmal bekam er 22 Groschen, dann 19, 13, 11 Groschen. Oft kam es auch vor, daß der Wagenmeister eines französischen Regimentes Vorspann verlangte und die Bauern aus dem Dorfe zu Kriegerfuhren weggeschickt wurden. Selbst auswärtige, requirierte Gespannpferde mußten in Hollenstedt mit Fourage-Hafer versorgt und die Fuhrleute beköstigt werden. Am 6. Januar 1758 wurden Gendarme einquartiert und am 24. Januar waren 25 Pferde der französischen Truppen mit Hafer und Heu zu verpflegen. Hierfür wurden 9 Thaler gerechnet, aber nur 5 Thaler 4 Groschen von der Kommission in Northeim vergütet. Am 3., 4. und 6. Februar 1758 unterzog man die Quartiere in Hollenstedt einer Besichtigung, dafür waren 2 Thaler 30 Groschen zu zahlen. Am 13. Februar 1758 passierte ein Regiment Husaren den Ort. Als Herzog Ferdinand von Braunschweig die Franzosen zurücktrieb, setzte eine neue starke Belastung des Ortes ein. Kolonnen mit Mehl und sonstigen Proviant fuhren unter militärischer Bedeckung durch den Ort und verlangten Vorspann und Beköstigung für die Soldaten. Ende August 1758 kamen Quartiermacher vom Corps Fischer und verlangten Essen, Trinken und Fourage, und am 20. September mußten kranke Soldaten ins Quartier genommen werden. Wiederholt erschienen auch einzelne kleine Trupps und verlangten, daß Wagen gestellt oder Vorspann geleistet wurde. Die Ausgaben in solchen Zeiten Überstiegen das gewöhnliche Maß, und so hatte die Gemeinde in der Zeit vom 1. Mai 1757 bis Mai 1758 im ganzen 282 Thaler 26 Groschen 7 Pfennige an Ausgaben, denen so gut wie keine Einnahmen gegenüberstanden. Nach der Schlacht bei Krefeld, am 23. Juni 1758, rückten die Franzosen mit 2 Heeren wieder ein. Wieder erschienen französische Truppen im Leinetal, dazu aber auch Truppen der Reichsarmee, unter denen sich besonders hessische Landmiliz und Husaren befanden. Sie standen in ihren Forderungen den französischen Truppen nicht nach. Wenn auch Herzog Ferdinand von Braunschweig durch seinen Sieg bei Minden das Wesergebiet behauptete, so erschienen doch hessische und bückeburgische Husaren, die die Brücken abreißen ließen. Von Zeit zu Zeit kamen Patrouillen und verlangten im Orte Beköstigung. Was sie verzehrten, hatte immer wieder die Gemeindekasse zu zahlen, da die Hollenstedter Bauern vollkommen ausgeplündert und kein Geld mehr im Hause hatten. Arbeitsleute wurden zum französischen Lager geholt und nußten ausgelohnt werden, selbst für Wein war einem Kommando ein Thaler 12 Groschen und für Branntwein 3 Thaler 4 Groschen zu zahlen. So ging es jeden Tag vom 11. bis 18. September 1758. Besonders arg wurde Hollenstedt bei dem Rückzug der französischen Truppen in Mitleidenschaft gezogen. Ein zurückgebliebenes Piquet Wache ließ sich gut verpflegen.
Als das Dorf einmal für kurze Zeit frei von Franzosen war, wurden die von den feindlichen Truppen verdorbenen Felder besichtigt, um die Höhe des Schadens festzustellen. Doch nur zu bald stellten sich die Franzosen wieder ein. Am 28. Oktober mußte Andreas Albrecht die Hollenstedter Gespanne begleiten, als Kanonen nach Hameln transportiert wurden. Die Bewegungen der gegnerischen Truppen gingen hin und her. So marschierte am 10. Februar 1760 hannoversches Fußvolk durch den Ort, und braunschweigische Husaren verlangten Verpflegung. Bei der Verfolgung des Gegners waren die Reitpferde arg mitgenommen. Es erschienen die von Redenschen Dragoner im Dorfe, um Ersatzpferde zu holen. Schanzen wurden bei Stöckheim aufgeworfen, wobei Hollenstedter Bauern eingesetzt wurden. Da die Brücken und Stege über Leine und Bölle zerstört waren, so mußte mit Hilfe von Andreas Albrecht ein Steg über die Leine und Bölle bei dem Hause von Herre geschlagen werden. Dafür erhielt Andreas Albrecht 18 und weiter 24 Groschen. Es fehlte auf den Bauernhöfen, wo Einquartierung untergebracht war, selbst das Notwendigste, und so mußte die Gemeinde auch das öl für die Wache der Ordonanz aufbringen. Zu Anfang des Jahres 1761 rückten die Franzosen wieder vor und erhoben hohe Kontributionsgelder. Im Hause von Johann Heinrich Warnecke wurden 526 Thaler 1 Groschen 50 Pfennige eingezogen, von Christian Schlüter und Christoph Behrens je 100 Thaler. Die Truppenbewegungen gingen weiter hin und her, bis im August die Franzosen unter Marschall Broglio ein befestigtes Lager auf der Hube bei Einbeck bezogen. Im August bekam Heinrich Andreas Palum den Auftrag, Krippen und Hüten nach Göttingen zu transportieren. Er erhielt dafür 3 Thaler. In dieser Zeit wurden in unserem Gebiete französische Verwaltungsbeamte eingesetzt, und zu ihrem Gehalt mußte Hollenstedt 50 Thaler zahlen. Der Obrist-Leutnant Keyder erhielt ein Douceur von 25 Thalern. Als der Obervogt nach Northeim als Geißel gebracht wurde, waren 59 Thaler 26 Groschen an Diätgeldern für die nach Göttingen abtransportierten Geiseln aus dem Amte Grubenhagen zu zahlen. Im Juni, Juli und August je 15 Thaier 22 Groschen, für das Magazin am 7. September nach Göttingen 77 Thaler 18 Groschen, am 3. Oktober 112 Thaler 18 Groschen. Was sonst das Monetscne Corps und die übrigen Truppen aus Hollenstedt herausholten, überstieg das Maß der vergangenen Zeiten um ein Bedeutendes. Wie die Stadt Einbeck, so mußte Hollenstedt wie alle übrigen ausgepreßten Dörfer des Leinetales und der Einbecker Börde geradezu unerhörte Kontributionen für die Franzosen aufbringen. Hollenstedt hatte für die Zeit vom 1. Mai 1761 bis 1. Mai 1762 1.151 Thaler 33 Groschen 3 Pfennige zu zahlen, wohingegen in normalen Friedensjähren die Gemeinde an Ausgaben 27 Thaler und die Einnahmen 30 Thaler betrugen. Ein Aufatmen wird überall gewesen sein, als die Franzosen endgültig aus der Heimat durch Herzog Ferdinand von Braunschweig vertrieben wurden und 1763 der Friede geschlossen wurde.
40 Jahre dauerte der Friede nach der Beendigung des Siebenjährigen Krieges. Da kündete 1803 das Erscheinen von Werbern im Dorfe an, daß England Soldaten für die Deutsche Legion im Kriege gegen Napoleon brauchte. Der erste Werber erhielt an Zehrgold 1 Thaler 23 Groschen, der zweite 12 Groschen, der dritte 33 Groschen 4 Pfennig. Im Jahre 1804 wurden in der Pfarre bei Pastor Kölscher in Stöckheim französische Offiziere einquartiert und vermehrten für 18 Thaler 22 Groschen. Gendarme zu Pferde wurden beim Krüger Denecke einquartiert und fielen der Gemeinde zur last. Die Franzosen requirierten Pferde im Dorfe, für die Stricke von dem Salzfaktor John in Salzderhelden zu beschaffen waren. Der Hollenstedter Christoph Denecke mußte als Knecht der französischen Armee folgen und bekam als Vorschuß für die Reise 4 Thaler. Um die Gefangenen im Dorf zu halten, wurde im Hause von Ernst Leifheit durch die Franzosen eine Stube zum Gefängnis eingerichtet. Als die Franzosen das hannoversche Land an Preußen gegeben hatten, brachte Christoph Denecke Rekruten nach Hannover - wahrscheinlich für die Deutsche Legion und erhielt für diesen Transport 3 Thaler. Nach seiner Rückkehr mußte der Knecht Christoph Denecke mit Wessel abzuliefernde Pferde zu den preußischen Truppen bringen. Starke Lieferungen von Hafer für das preußische Magazin in Göttingen setzten ein, wozu allein für die 11. Quote Hafer 96 Thaler 8 Groschen und für die Lieferung von Roggen 47 Thaler 24 Groschen zu zahlen waren, ohne die Lieferung von Magazinfrüchten weiter zu erwähnen. Außerdem waren 237 Rationen Verpflegung für die in Hollenstedt einquartierten Preußischen Truppen zu liefern. Nach der Niederlage Preußens bei Jena im Jahre 1806 wurde das hannoversche Land von Franzosen besetzt. Jetzt wurden wieder in Hollenstedt Kriegssteuern erhoben und zwar im November 1807
38 Thaler, im Januar 1808 87 Thaler 12 Groschen, im Februar 43 Thaler 24 Groschen.
Die 12. Naturallieferung erbrachte die Summe von 257 Thalern 16 Groschen. Damals war in Einbeck ein Magazin eingerichtet worden, dorthin mußten 10 Wagen die Naturalfourage schaffen. Die der Französischen Armee gefolgten Knechte erhielten 51 Thaler 31 Groschen 4 Pfennig .und Christoph Denecke für Fourage- und Transportkosten der von der Französischen Armee zurückgekehrten Pferde 8 Thaler. Für die Behandlungskosten eines Ulanenpferdes wurde die Gemeindekasse herangezogen, damit der Pferdearzt sein Geld bekam. In Einbeck wurde mit der Errichtung des Königreichs Westfalen ein Friedensgericht nach französischem Muster eingerichtet, dem der bekannte Friedrich Wilhelm von Strombeck, ein hervorragender Jurist, vorstand, und nunmehr durfte Hollenstedt 4 Thaler 26 Groschen für Feuerungskosten der Wachtstube und der französischen Gefängnisse an das Friedensgericht und den Bezug der Departementsblätter 6 Thaler 35 Groschen 4 Pfennig zahlen. Ein Stück der erwähnten Blätter kostete 9 Groschen. Für das Westfälisch-Französische Heer begann natürlich sofort auch die Aushebung von Rekruten in Hollenstedt. Die Auslosung der "Konscribierten" erfolgte in Einbeck. Als erste Rekruten hatten Fromme und Herre zur neuen Armee einzurücken. Dazu erhielten sie aus der Gemeindekasse ein Reisegeld von 2 Thalern. Der Flurschütz Schreiner erhielt für die Citation des Konscribierten Blumenhagen nach Großenrode bei Hörten 6 Pfennig. Westfälische Kavallerie und Gendarmen wurden im Dorfe einquartiert und mußten versorgt werden. Die Kosten für das Beschlagen der Kavallerie-Pferde in der Höhe von 9 Thalern fiel dar Gemeinde zur Last. Woher sollte sie nur das notwendige Geld nehmen? Auf dem Wege einer Schuldverschreibung war es aufzutreiben. Geldgeber war in jener Notzeit der Gastwirt Fingerhuth in Angerstein bei Nörten. Er bekam für die Zeit vom März 1807 bis Mai 1808 an Zinsen 7 Thaler 18 Groschen. Leider geht nicht aus dieser Angabe hervor, für welche Summe.
Mit dem Jahre 1807/08 schließt das Hollenstedter Rechnungsbuch. Wenn es auch nur einen Zeitraum von kaum 70 Jahren umfaßt, ist es doch für die Erkenntnis der örtlichen Verhältnisse von besonderem Wert. In und zwischen den Zeilen ist viel zu lesen von den früheren Zeiten, wo der Bauer in der Gebundenheit des Feudalsystems der Naturalwirtschaft und Dienstpflicht gegenüber dem herrschaftlichen Amte und Lehnsherrn seiner Arbeit nachging. Gute Jahre wechselten mit schlechten, wo Mißernte, Feuers- und Wassers- und Kriegsnot schwer drückende Lasten brachten. Leider besitzt die Gemeinde Hollenstedt nur dies eine Rechnungsbuch aus jener Zeit. Andere Dokumente dieser Art sind nicht mehr vorhanden, und doch hat Hollenstedt in dem alten Rechnungsbuch einen Schatz von besonderem Wert für die Vergangenheit, einen Schatz, der an anderen Orten des Kreises nicht mehr zu finden ist.
Auch in der neuesten Zeit haben sich in Hollenstedt bei der Beendigung des 2. Weltkrieges kriegerische Vorgänge abgespielt. Am Morgen des 9. April 1945 rückte eine deutsche Kolonne von Panzerspähwagen und anderen Fahrzeugen auf dem Rückmarsch durch den Solling zum Harz, ins Dorf. Die Brücken am östlichen Dorfausgang waren bereits zur Sprengung, vorbereitet, um den anrückenden Amerikanern den Durchmarsch zu sperren. Der wachhabende Offizier verweigerte in seinem sinnlosen Übereifer auch den deutschen Truppen den Durchmarsch und wich erst der vorgehaltenen Pistole des Kolonnenführers. Die Fahrzeuge wurden auf dem Weitermarsch von amerikanischen Jagdbombern in Brand geschossen. Am 11. April wurden flüchtende, deutsche Soldaten von nachrückenden Amerikanern mit Maschinengewehren beschossen. Mehrere Verwundete wurden in das Northeimer Krankenhaus gebracht und 3 Gefallene auf dem Hollen-stedter Friedhof beerdigt.
Im Jahre 1847 brach infolge von Mißernten eine Hungersnot aus. Die armen Leute von Hollenstedt kamen täglich mit Teller und Löffel zur Mühle, wo sie auf einfache Weise beköstigt wurden. Im Sommer 1850 trat, von einem Handwerksburschen eingeschleppt die asiatische Cholera in mehreren Dörfern des Leinetals auf, der im Kirchspiel Stöckheim über 200 Menschen zum Opfer fielen; besonders wurden Hollenstedt, Drüber und Sülbeck von der Seuche heimgesucht. Im Jahre 1890 griff eine Diphterie-Epidemie verheerend um sich.
Für die Nutzung des Hofes und der Ländereien mußten in der Feudalzeit unsere Bauern Abgaben, den "Zins" zahlen. Zu diesen Abgaben privatrechtlicher Natur kam der Zehnte an die Kirche, die verschiedenen Beden an den Landesherrn und die Dienste an das Amt zu. Diese Dienste gaben immer zu Klagen Anlaß. Obwohl sie festgelegt waren, fühlten sich die Amtmänner, wie auch die Bauern, benachteiligt.
Hollenstedt leistete, wie die anderen 6 Dörfer des Amtes Salzderhelden, nämlich Drüber, Immensen, Negenborn, der Flecken Salzderhelden, Sülbeck und Volksen gleichfalls Dienste an das Amt Rotenkirchen. Im Jahre 1776 begannen Verhandlungen über die Ablösung der Naturaldienste im Amte Salzderhelden. Diese Dienste bestanden in dem ordinären Wochendienst in Natura oder Geld, in dem Burgfestdienst in Natura oder Geld, in dem Pflichtdienst, wofür, wenn nicht gefordert, kein Dienstgeld entrichtet wurde und die Hoheitsdienste, wofür gleichfalls nichts bezahlt wurde. Durch die Ablösung wurden die Bauern von drückenden Lasten befreit, während die Ämter ihren landwirtschaftlichen Betrieb umstellen mußten, wovon die zahlreichen, in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts errichteten Wirtschaftsgebäude der Ämter sowohl in Salzderhelden wie auch in Rotenkirchen und Wetze zeugen. Jedoch erst 1833 wurde die Ablösungsordnung selbst, die den Bauern zum freien Eigentümer seines Grund und Bodens machte, durchgeführt. Ohne Verminderung seiner Ackernahrung, lediglich gegen eine Geldentschädigung, wozu die Landschaft gegen einen billigen Zins das Geld lieh, wurden die Lasten und Dienste abgelöst.
Im Besitz der Gemeinde Hollenstedt befindet sich noch der sogenannte Hollenstedter Ablösungsrezeß vom 20. - 22. Dezember 1834. Hieraus ist zu entnehmen, daß die Gesamtheit der Gemeinde die Ablösung des Zehnten auf die Feldflur beschlossen und der Ackermann Justus Hesse den Auftrag hatte, für die Gemeinde die Zehntablösungssache zu vertreten. In dem Rezeß werden als Besitzer von zehntpflichtigen Grundstücken vor Hollenstedt 5 Vollmeier, 10 Halbmeier, 15 Vollkötner, 23 Kötner, Halbkötner und 21 Anbauer namentlich aufgeführt, darunter der Halbmeier Christian Ude als Erbpächter der Familie von Berkefeld, der Halbmeier Wilhelm Ilse als Erbpächter der Pfarre in Stöckheim, der Halbmeier Christian Hesse als Erbmeier der Familie von Hering, der Halbmeier Kaspar Schütte als der Erbmeier der Einbecker Patrizierfamilie Ernst, der Vollmeier Justus Hesse als Erbmeier des Stiftes St. Alexandri zu Einbeck, Müller Ludwig Schmidlah in Vollmacht für die Palms in Hollenstedt, der Vollmeier Zacharias Gehrke als Erbmeier der Einbecker Patrizierfamilie Raven, der Vollmeier Christian Nagel als Erbmeier der Einbecker Familie Ernst und der Kantor Willig in Stöckheim als Rechnungsführer und in Vollmacht der Kapelle in Hollenstedt, 83 Pflichtige beantragten die Ablösung des dem Kloster Amelungsborn gehörenden Außenhof Mönchehof zu Einbeck in der Hollenstedter Zehntflur verzeichneten gebührenden Zehntsteuer vom Boden bei der Hannoverschen Ablösungskommission in Einbeck gegen die Herzoglich-Braunschweigisch-Lüneburgische Kammerdirektion der Domäne zu Braunschweig. Mit Genehmigung des Staatsministeriums wurde die Ablösung vollzogen, wobei es sich im einzelnen um den Naturalzehnten handelte, der bisher in Geld und von einzelnen Grundbesitzern in Hähnen zum Gesamtbetrage von 44 Stück den Zehntherren entrichtet wurde , und ein Ablösungskapital von 19320 Thalern für den Fruchtzehnten festgesetzt wurde. Hierbei ist eine Beschreibung der zehntpflichtigen Länderei nebst den Namen der Eigentümer gegeben. Bemerkenswert sind dabei die Flurnamen in der Feldgemarkung: das Turmfeld, der Fischgraben, die Marsch, die Weglange, der Anger, das Schild, der Marschweg, die Schildwiese, das hohe Ufer, Knipswinkel, Schäferstieg, auf dem hohen Ufer, Bodehornswiese, in der alten Leine, der alte -Leineweg, das hohe Feld, der Turmweg, der Turmanger, der kurze Kampsweg, die Wiesenbüh, Bodenhornsanger, das Bockshorn, der hohe Feldsweg, das Leinefeld, der Sudbeek, die Sudbeekswiese, die Hohengrund, die Sülbeck, die Landwehr, der Hasengrund, Eichholzfeld, das kleine Feld, die Lehmenkuhle, der kleine Feldweg, die Schindkuhle, hinter den Frickenhöfen, der Salzgraben, der Leinefeldweg, der Saugraben, der Wasenberg, über der Ölmühle, hinter der Mühle, die Trift, vor dem Höckelheimer Felde, vor dem Salzberge, der Salzberg, die Salzwiese, der hohle Weg, in der Höhle, an der Bölle, auf dem Vorwerke, der alte Graben, der neue Straßenweg, der Worthsteg, der BÖllengraben, der Wortgraben, der Schratweg, die Strath, die Hockebölle, die Strathwiese, der Böllensweg, die Böllwiese, der Böllanger, die Bettbühre, der große Hasenkamp, der Goldbusch, der Rollberg, der helle Berg.
Eine Berechnung der Weideabfindungen für die Schäferei zu Hollenstedt, die Gemeinde daselbst, das Gut Wickershausen und das Vorwerk Wetze in der Feldmark vor Hollenstedt, (westlich der Leine) wurde nach dem im Kommissionstermine vom 22. Oktober 1864 von den Beteiligten vorgebrachten Erklärungen unter Benutzung der Berechnung der Weideabfindungen vom 20. August 1864 umgearbeitet und zwar nach den Erklärungen der Schäfereiberechtigten und der Gemeinde, Danach umfaßte die Weidemasse die Feldweide mit 36 Morgen, 9 Ruten, die Wiesenweide mit 28 Morgen 76 Ruten, die Angerweide mit 47 Morgen 76 Ruten, die Weide im Eichholz-forst mit 36 Morgen 49 Ruten, die Heide mit 24 Morgen 58,7 Ruten, insgesamt 173 Morgen 30 Ruten. Die Viehbestände der Weideberechtigten von Hollenstedt - einschließlich der Schafe vom Gute Dorste - betrugen an Kühen und Pferden zusammen 333 Stück, an Schweinen 133 Stück, an Gänsen 591 Stück, an Schafen 600 Stück, und an Lämmern 225 Stück. Das Gut Wickershausen hatte 45 Stück Weidekühe. Der Viehbestand Wetze ist leider nicht angegeben, weil er zum Amte Rotenkirchen gehörte.
Die Einwohnerzahl von Hollenstedt betrug nach Fr. Oehme im Jahre 1810: 513, im Jahre 1910: 710, 1953 werden 719 Einheimische und 409 Flüchtlinge und Evakuierte, im ganzen also 1.128 Einwohner, gezählt. Für die Verhältnisse des landwirtschaftlichen Grundbesitzes liegen folgende Angaben vor: im Jahre 1575 gab es 7 Ackerleute, 5 Halbspänner 27 Kötner oder Hintersassen, im Jahre 1675 dagegen 2 Vollspänner, 6 Halbspänner, 15 Groß- -und 21 Kleinkötner, 1953 sind 1 Vollmeier, 1 Zweidrittelmeier, 4 Halbmeier, 41 Vollkötner und 34 Anbauer vorhanden.
Die gesamte zu Hollenstedt gehörige, katasteramtlich vermessene Grundfläche beträgt 725,98 ha. Davon sind 482,29 ha. (1929 Morgen) Ackerland, 112,97 ha. (452 Morgen) Grünland, und das übrige (220,72 ha.) verteilt sich auf Wasserflächen, Gartenland und bebauten Boden. An Viehbestand wird für 1910 angegeben: 82 Pferde, 484 Rinder, 711 Schweine und 245 Schafe. Im Jahre 1953 sind vorhanden: 139 Pferde, 658 Rinder, 963 Schweine, 331 Schafe und 118 Ziegen.
Die gegenwärtig gebauten Feldfrüchte sind die üblichen: Roggen, Weizen, Gerste, Hafer, Kartoffeln, Rüben, Der Tabakbau, der nach dem Siebenjährigen Kriege in hiesiger Gegend vielfach behördlich gefördert wurde, ist allmählich abgekommen und nur während der beiden Weltkriege vorübergehend wieder aufgelebt. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auch ziemlich viel Flachsbau getrieben, wovon die auf den Wiesen südlich von Hollenstedt noch vorhandenen Vertiefungen der "Flachsrotten" Kunde geben.
Das tiefer gelegene Wiesen- und teilweise auch Ackerland wird jährlich fast regelmäßig im Frühjahr und Herbst von Hochwasser überflutet. Diese Überschwemmungen erreichten im Februar 1909 infolge von plötzlich eintretendem Tauwetter bei festgefrorenem Boden eine ungewöhnliche Höhe, die aber durch das Hochwasser im Februar 1946 und 1947 noch übertroffen wurde. Das unmittelbar südlich vom Dorfe zwischen Leine und Rhume gelegene Flußbett, das dazu bestimmt ist, das über die Stauwehr fließende Wasser aufzunehmen und in Hochwasserzeiten die großen Wassermengen abzuleiten, wurde 1909-1910 mit einer fast 100 m. langen 5-bogigen Beton-Brücke versehen. Die in früheren Zeiten eifrig betriebene Flößerei auf Rhume und Leine hat seit 1885 ganz aufgehört.
An öffentlichen Einrichtungen gibt es in Hollenstedt seit 1890 eine Spar- und Darlehnskasse, die auch auf mancherlei andere Weise (Beschaffung von Brennmaterial usw.) für das Allgemeinwohl sorgt. Eine eigene Molkerei war in den Jahren 1898-1939 in Betrieb; jetzt wird Milch täglich mit einem Kraftfahrzeug zur Molkerei nach Northeim befördert. Die früher im Hause neben der Kapelle befindliche Volksschule hat 1911 am Südwestausgang des Dorfes ein neues Gebäude erhalten. Zur Zeit sind darin 1 Hauptlehrer, 2 Lehrer und 1 Lehrerin, bei 157 Schülern und Schülerinnen tätig. Im Jahre 1952 wurde östlich des Waseberges ein großer, rasenbewachsener Sportplatz angelegt. Zum Baden bietet der Rhumefluß Gelegenheit. Seit 1928 hat Hollenstedt eine Wasserleitung zur Versorgung des eigenen Bedarfs mit gutem Quellwasser. Während früher die Bestattung der Toten auf dem Friedhof in Stöckheim stattfand, hat Hollenstedt seit 1922 einen eigenen Friedhof, nicht weit von der neuen Schule.
Die heutige, östlich des Dorfes an der Leine gelegene Hollenstedter Mühle hatte im Mittelalter eine Vorgängerin westlich des Dorfes an der Bölle. Diese war von der in Hollenstedt mit 17 Hufen (510 Morgen) begüterten reichsfürstlichen Abtei Gandersheim angelegt worden neben einer Ölmühle, von der noch im Jahre 1570 die Rede ist. Ein Teil des dortigen Geländes wird heute noch "die Ölacker" genannt. Zur Ausnutzung der Wasserkraft der Leine waren zunächst größere Wasserstauanlagen nötig. Diese ließ der Herzog Philipp I. von Grubenhagen ausführen, um eine größere Mahlmühle anzulegen. An der Wassermauer der Mühle findet sich in Stein gehauen die Inschrift: "Anno Domini 1538 des Mandages na Cantate is de Mole angelegt". Der Montag nach Cantate 1538 war der 20. Mai. Die Mühle erhielt 6 Gänge d.h. 6 Mahlsteine und Beutelwerke. Nach 1570 ist dann auch die Ölstampferei in die größere Mühle verlegt und außerdem am anderen Ufer der Leine eine Sägemühle angelegt worden. Die ganze Anlage wurde als "Herrschaftliche Mühle" an einen Müller verpachtet, der auch die Wasserstauanlagen mit zu beaufsichtigen und in Ordnung zu halten hatte. Als dann nach der Gründung der Saline Sülbeck im Jahre 1686 der sogenannte Salzgraben angelegt worden war, hatte der Pächter auch die Einlaßschleuse in Hollenstedt zu bedienen und die in Sülbeck neu gebaute Mühle mit zu verwalten. Zur Sicherung eines geordneten Betriebes wurde den herrschaftlichen Mühlen eine bestimmte Anzahl von Dörfern als Kundschaft zugewiesen. Wer diesen "Mühlenbann" nicht achtete, und in einer anderen Mühle mahlen ließ, wurde bestraft. Zum Mühlenbann der Hollenstedter und Sülbecker Mühlen gehörten die 10 Dörfer Hollenstedt, Stöckheim, Buensen, Drüber, Sülbeck, Immensen, Edemis-sen, Dörrigsen, Iber, Strodthagen. Die Einwohner dieser Ortschaften hatten außerdem die Verpflichtung, für die herrschaftlichen Mühlen jährlich einen Tag Arbeitsdienst zu leisten zum Ausbringen des Mühlengrabens, zur Dammbefestigung und dergleichen. Dafür erhielt jeder 6 "Knobben" Brot (aus einem Himpten Roggen wurden 180 Knobben gebacken) und 2 Käse. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist dieser Mühlenbann mit den dazugehörigen Verpflichtungen aufgehoben.
Zur Verstärkung der Wasserkraft der Hollenstädter Mühle ließ die Hannoversche Regierung im Jahre 1755, etwa 1 km. oberhalb des Dorfes, an der Stelle, wo sieh die beiden Wasserläufe auf ungefähr 200 m, nähern, einen Durchstich von der Rhume zur Leine machen. In demselben Augenblick fast, wo der Durchstich stattfand, war auch das Erdbeben von Lissabon. Es erregte großes Aufsehen, daß damals das Wasser des "Kolkes" plötzlich stark emporquoll. Es war der 1. November 1755. Dadurch wurde ein Teil des Rhumewassers in die Leine abgeleitet, während das übrige in dem alten Rhumebette weiterfließt, in Edesheim und Hohnstedt noch die Mühlen treibt und sich dann noch vor der Mündung des Salzgrabens in die Leine ergießt.
Am 1. Mai 1837 wurde Karl Lockemann Pächter der Herrschaftlichen Mühlen in Hollenstedt und Sülbeck und nach seinem frühen Tode (1852) wurde seiner Witwe die Pacht gelassen, bis der Sohn Hermann Lockemann (1838-1905) volljährig war. Dieser erwarb von der inzwischen preußisch gewordenen Regierung die beiden Mühlen und die Saline Sülbeck am 1. August 1870 käuflich, vergrößerte die Mahlmühle unter Fortfall der Ölstampferei und erbaute ein neues Wohnhaus nebst Lagerräumen und Wirtschaftsgebäuden. Sein Sohn Karl Lockemann (1873-1950) verwaltete zunächst die Mühlen und von 1905 ab ebenfalls die Saline. Am 4. Juli 1907 wurde die Hollenstedter Mühle mit dem alten Wohnhaus, Lager und Wirtschaftsgebäuden durch ein in der Getreidereinigungsanlage ausgebrochenes Feuer zerstört. Beim Wiederaufbau wurde unter Ersatz der alten Wasserräder durch Turbinen neben einer dem Ortsbedarf angepaßten Schroterei ein Elektrizitätswerk angelegt, dessen Betrieb durch einen Dieselmotor und durch eine Dampfmaschine für die Hochwasserzeiten gesichert und ergänzt wurde. Durch Begradigungs- und Baggerarbeiten konnte die nutzbare Wasserkraft auf 250-300 PS. verstärkt werden. Das Leitungsnetz dieses elektrischen Überlandwerkes erstreckte sich auf die umliegenden Ortschaften, besonders Stadt und Bahnhof Northeim. Im Jahre 1928 wurde das Hollenstedter Werk an das große Überlandnetz der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft Mitteldeutschland, Sitz Kassel, angeschlossen, und die Hollenstedter Dampfanlage mit elektrischem Generator wurde nach Sülbeck verlegt, um den Abdampf zur Salzgewinnung auszunutzen. Die beiden elektrischen Anlagen in Hollenstedt und Sülbeck wurden durch ein im Salzgrabendamm verlegtes Kabel miteinander verbunden. Nach der Betriebseinstellung der Saline ist das Hollenstedter Werk im Herbst 1952 in den Besitz der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft Mitteldeutschland übergegangen.
Zur Gemeinde Hollenstedt gehört auch das 2,5 km. südwestlich davon an dem 297 m. hohen Böllenberge gelegene Gut Wickershausen. Dieses war, ebenso wie die benachbarte Domäne Wetze, ursprünglich ein Dorf. Die Herzöge Friedrich, Erich und Otto von Grubenhagen beurkunden am 4. Juli 1408, daß sie alle Rechte und Pflichten an dem "dorpe Wyghardeshusen" dem Kloster in Wiebrechtshausen zu eigen geben. Nach einem Jahrhundert, am Michaelistage 1506, ist in einer Urkunde nur noch von einem "Hof Wickardeshusen, der da leit vor dem Bollenberge", die Rede. Bei der Unwegsamkeit des so oft vom Hochwasser heimgesuchten Leinetales, mußten die Nonnen, wenn sie ihren Hof Wickershausen besuchen wollten, den großen Umweg über Salzderhelden machen, wo sie auf der unter dem Schutz der Burg liegenden Brücke die Leine überschreiten konnten. Um auf diese beschwerlichen Reise unterwegs noch einmal für ihr Seelen- und Leibesheil beten zu können, haben sie in Hollenstedt eine Kapelle errichten lassen, die dem Heiligen Leonhard gewidmet wurde. Über die Erbauungszeit der Kapelle sind Urkunden nicht vorhanden. Nach der Aufhebung der Klöster in der Reformationszeit ist die Kapelle wohl in den Besitz der Gemeinde Hollenstedt übergegangen.
In der Außenseite der Südwand ist ein Stein eingemauert, mit der Inachri:
"ANNO 1.5.9.1- DIESES FENSTER VERFERTIGT. BL P. HL.KB."

Über dem Altar befindet sich ein auf Holz gemaltes Ölbild des heiligen Abendmahls (ohne Namen des Malers). Auf den Rahmenleisten sind folgende Inschriften angebracht:

Oben: " ANNO 1656 HAT DER EHRNPESTER VORACTPARE UND FÜRNEMER HERR DIETRICH RAVEN FRANTZEN RAVENS SEHLIG ERHINTERLASSER SOHN DIESE TAFEL GOTT ZU EHREN UNT DIESER CAPELLEN ZUM ZIERAT VEREHRET".

Die Inschrift auf der unteren Rahmenleiste lautet:
" HOC ACCIPITE IN PANE QUOD PEPENDIT IN CHUCE. HOC ACCIPITE IN CALICE QUOD EFFLUXIT E CHRISTI LATERE IN QUIT AUGUSTINUS. ET SIC REPARATUM HOC SACELLUM BIENNTO A VERO LVI 26.IIXBRIS DOM. TRIN. DENNUO CONSECRATUM A M. IOHANNE ELLISSEN ET PAST.IOHAN LÜDSMAN ANTISTES"

Hieraus geht hervor, daß die Kapelle, die während des Dreißigjährigen Krieges verwüstet worden war, am 21. Sonntag nach Trinitatis, dem 26. Oktober 1656, neu geweiht worden ist von Magister Ellissen und Pastor Lüdemann als "Antistes", was eigentlich Tempelvorsteher bedeutet, hier also wohl soviel wie Kapellenpfarrer. Jetzt hält der Pastor von Stöckheim regelmäßig am letzten Sonntag im Monat und an einigen anderen Tagen in der Kapelle Gottesdienst oder Abendmahlsfeier ab.
Das Gut Wickershausen ist in Privatbesitz. Nachdem es zunächst im Besitz eines Generals von Hugo und nach diesem von einigen anderen gewesen war, erwarb es gegen Ende des 18. Jahrhunderts Johann August Wappen (1741-1812), der Auditor in Brunstein und bis 1795 Justizamtmann: in Oldershausen gewesen war. Dieser betätigte sich auch als Dichter. In ausführlichen Literaturgeschichten ist er als Verfasser von Sinngedichten, Erzählungen, Episteln und Schauspielen erwähnt. Sein Sohn hatte sich auf irgendeiner kleinen Universität "in absentia" den Doktortitel erworben und führte mit seiner Frau in kinderloser Ehe das Leben eines ausgesprochenen Sonderlings. Noch heute werden von dem "Dr. Weppen" die sonderbarsten Dinge erzählt. Dem Beispiele des Vaters folgend machte er auch Gedichte, die er in der Northeimer Zeitung drucken ließ. Heute gehört das Gut Wickershausen, dessen Wohnhaus abgebrannt ist, der Familie von Osten-Säcken und ist an den Landwirt Frohme aus Hollenstedt verpachtet.

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