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Zum ersten Male wird das Dorf nach Aussagen einer Ortschronik um 900 in einer Urkunde erwähnt, durch die Herzog Otto der Erlauchte die "villa Hollenstede cum omnibus appendicitis" der Abtei Gandersheim schenkt.Über die Bedeutung des Namens Hollenstedt gibt es nach Auskunft der Chronik verschiedene Ansichten. Am wahrscheinlichsten ist aber die Erklärung, dass noch heute die von Norden her über Stöckheim in das Dorf führende Straße als der "hollige Weg" bezeichnet wird. Vermutlich haben sich die ersten Siedler des höher gelegenen westlichen Teils des heutigen Dorfes durch Eingraben eines Hohlweges in den südlichen Abhang des Waseberges einen Zugang verschafft. Der "hollige Weg" hat, nachdem er längst zu einer breiten Fahrbahn ausgebaut ist, seinen Namen behalten. Vermutlich wird er der Siedlungsstelle den Namen "hollige Stie" gegeben haben, was sich im Laufe der Zeit zu "Hollenstie" oder auf Hochdeutsch zu Hollenstedt, abgeschliffen hat.

Hollenstedt hat eine bewegte Geschichte, mit zahlreichen Fehden und Kriegen, hinter sich. So kam es bereits 1408 zu einer Fehde zwischen Herzog Otto dem Jüngeren und den Herren von Uslar auf den Gleichen, die einen Anspruch auf Teile der Feldmark geltend machten. 1462 kam es dann zum Krieg zwischen den Hansestädten und den Herzögen zu Göttingen, unter dem Hollenstedt ebenfalls zu leiden hatte. Selbst vom Dreißigjährigen Krieg blieb die Gemeinde nicht verschont. Am stärksten mitgenommen wurde Hollenstedt jedoch im Siebenjährigen Krieg. Unter dem ständigen Wechsel von französischen und einheimischen Truppen hatte die Bevölkerung besonders zu leiden. Damals war es um die finanzielle Lage der Gemeinde sehr schlecht bestellt, ein "Darlehen" musste aufgenommen werden.
Aber nicht nur Kriege suchten die Gemeinde heim. Das tiefer gelegene Wiesen- und auch teilweise Ackerland wurde früher regelmäßig im Frühjahr und im Herbst von Hochwasser überflutet. Das höchste Hochwasser wurde in den Februarmonaten der Jahre 1946 und 1947 gemessen. Aber, auch in unserer Zeit kommt es ab und zu noch zu Überschwemmungen im Leinetal. Dann ist die Gemeinde Hollenstedt nur über die Kreisstraße durch die "Steinkuhle" zu erreichen.
Zur Gemeinde gehört auch das rund 2,5 Kilometer südwestlich am Böllenberg liegende Gut Wickershausen. Dieses war, wie die benachbarte Domäne Wetze, ursprünglich ein Dorf. Das Gut ist seit Mitte des 18. Jahrhunderts in Privatbesitz.
Die örtliche Schule wurde im Jahre 1962 nach über 100jährigem Betrieb geschlossen. Im ehemaligen Schulgebäude, das 1911 neu errichtet worden war, befinden sich heute Wohnungen. Alle Kinder der Gemeinde besuchen heute, mit Ausnahme der weiterführenden Schulen, die Mittelpunktschule in Drüber.
Bis etwa Anfang der sechziger Jahre hat die Gemeinde in einem fast "Dornröschen-Schlaf" geschlummert. Ab 1960 wurden dann nach den örtlichen Möglichkeiten Bebauungspläne aufgestellt. Dadurch hat sich die Gemeinde erheblich in südwestlicher Richtung entlang der Kreisstraße nach Höckelheim ausgedehnt. Die weitere Entwicklung Hollenstedts ist jedoch durch das Poldergebiet im Osten, die geplante Umgehungsstraße im Westen und die immerwährende Hochwassergefahr stark eingeengt. Es bestehen kaum noch Möglichkeiten, Bebauungspläne aufzustellen, obwohl Bauwillige da sind.
Planmäßig wurde in den zurückliegenden Jahren zum Wohle der Gemeinde gewirtschaftet. Es wurden die Bebauungsgebiete geschaffen, das Feuerwehrwesen ausgebaut, der Straßenbau vorangetrieben - 95 Prozent der Dorfstraßen sind mit Bürgersteigen und Teerdecken versehen -, das Friedhofswesen durch den Bau der Friedhofskapelle erheblich verbessert und schließlich mit dem Bau von Kinderspielplätzen auch an die Kinder gedacht. Mit Hilfe eines Fördervereins wurde vor einigen Jahren auch der langjährige Wunsch nach einem eigenen Kindergarten erfüllt.
Im Jahre 1810 lebten in Hollenstedt 513 Bürger. 100 Jahre später waren es nur knapp 200 mehr, nämlich 710. Nach dem Zusammenbruch erlebte Hollenstedt, wie alle anderen Gemeinden, einen erheblichen Aufschwung in der Einwohnerzahl. Der Höchststand war im Jahre 1953 mit rund 1300 zu verzeichnen. Einen weiteren Höchststand, ohne Flüchtlinge und Evakuierte, gab es Mitte der sechziger Jahre mit 948 Einwohnern. Heute leben in Hollenstedt rund 780 Menschen.
Das fünf Kilometer nordwestlich von Northeim gelegene Dorf dehnt sich vom linken Leineufer nach Westen bis zur Anhöhe des Waseberges mehr als einen Kilometer lang aus. Die Siedlungsgeschichte beginnt Bodenfunden zufolge bereits in der mittleren Steinzeit. Die Gemeinde umfasst eine Fläche von 726 Hektar.
Insgesamt ist auch in Hollenstedt ein Rückgang in der Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe zu verzeichnen. In Hollenstedt waren bis in die achtziger Jahre zahlreiche handwerkliche und gewerbliche Betriebe ansässig (Kulturbauunternehmen, Schmieden, Tischlereien, eine Bäckerei, Kaufläden, Gastwirtschaften, die Spar- und Darlehnskasse mit Tankstelle und Getreidetrocknungsanlage, eine Zweigstelle der Kreis- und Stadtsparkasse Einbeck sowie einen Friseur und ein Baugeschäft).
Dass es in Hollenstedt ein reges Vereinsleben gibt, spiegelt die Tatsache wider, dass sich seit vielen Jahren mehrere Vereine halten. Mitgliederstärkster Verein ist der Turn- und Sportverein. Weiterhin gibt es den Männergesangverein, die Karnevalsfreunde Hollenstedt, die Kyffhäuserkameradschaft mit ihrer Schießgruppe, die Freiwillige Feuerwehr, der DRK Ortsverband Hollenstedt, die Schweinekasse- und Pächtervereinigung sowie die Reichsbund-Ortsgruppe. Alle diese Vereine helfen die Freizeit der Einwohner mitzugestalten.

Quelle: Stadt Northeim, 2002

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