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Sagen+Erzählungen

De Leine fret alle Jahre teine


Von der Leine geht die Sage, dass alle Jahre zehn Menschen darin umkommen, entweder ertrinken sie in ihr oder das Wasser bringt ihnen auf andere Weise den Tod: darum sagt man von der Leine: "De Leine fret alle Jahre teine."
Einmal brachte in einem heißen Sommer eine Magd den Knechten des Hauses, die vor Hollenstedt im Felde arbeiteten, das Essen. Das Mädchen war sehr erhitzt und durstig und fragte darum: "Habt ihr noch etwas zu trinken in dem Kruge, ich verdurste sonst?" Doch die hatten alles ausgetrunken und wiesen sie auf die nahe Leine hin, die an der Stelle gerade sehr flach war. Das Mädchen ging hin, setzte sich an das Ufer und trank. Aber sie stand nicht wieder auf, denn das eiskalte Wasser hatte ihr den Tod gebracht.


Karl Sittig, Sagen des südhannoverschen Berglandes, o. O 1924

 

 

Die Jungfrau in der Leine


Nachts zwischen zwölf und ein Uhr steigt bei Salzderhelden eine Jungfrau aus der Leine heraus und wandelt auf einer Wiese herum. Ihre Haare sind sehr lang und ihr Gewand ist schneeweiß. Auf den Armen trägt sie ein Kind, welches sie unter vielem Weinen auf ihren Armen wiegt.


Georg Schambach, Niedersächsische Sagen und Märchen, Göttingen 1855

 

 

Der Wassermann ruft


Einst fischten vier Brüder aus Hollenstedt in der Volle, da wo sie in die Leine sich ergießt. Schon hatten sie einen Eimer voll Hechte und Buttfische gefangen, da hörten sie von der Leine her dreimal einen Hilferuf, der aus dem Wasser zu kommen schien. Schnell liefen sie an die Leine, sahen und hörten aber weiter nichts. Sie sprachen im Dorfe nicht davon, weil sie ja nicht fischen durften und in schwere Strafe verfallen wären. In der folgenden Nacht fischten sie wieder und hörten abermals den wunderbaren Ruf. Auch in der dritten Nacht hörten sie denselben Ruf. Am folgenden Tage wollte ein Knecht aus Hollenstedt der eingefahren hatte, im Mittag seine vier erhitzten Pferde, von denen zwei blind, zwei sehend waren, im Wasser abspülen. Er ritt mit ihnen in die Leine. Kaum war er aber einige Schritte weit in das Wasser gekommen, da versank das Pferd, auf dem er saß. Zwar kam er wieder empor, vermochte sich aber nicht zu retten, sondern ertrank. Mit ihm gingen die beiden sehenden Pferde unter, während die beiden blinden glücklich das Ufer wieder erreichten.


Karl Sittig, Sagen des südhannoverschen Berglandes, o. O 1924

 

 

Vorzeichen des Ertrinkens


Es sind jetzt 29 Jahre her, da fischten nachts zwei Brüderpaare aus Hollenstedt in der Bölle, da wo dieselbe in die Leine fällt. Das Wasser der Bölle ist reiner, und die Fische ziehen sich gern dahin. Schon hatten sie einen Eimer voll Hechte und Butfische gefangen, da hörten sie plötzlich von der Leine herüber dreimal den Ruf Hülfe, der aus dem Wasser zu kommen schien. Wiewohl einige von ihnen gleich vermuteten, dass um diese Zeit hier kein Mensch in Gefahr zu ertrinken sein würde, so liefen sie doch dahin, woher der Hülferuf erschollen war, fanden aber nichts. Sie sprachen im Dorfe nicht davon, weil sie ja nicht fischen durften und in Strafe verfallen wären, wenn dies bekannt geworden wäre. Um sich aber sicherer zu überzeugen, nahmen sie in der nächsten Nacht, als sie wieder dahin zum Fischen gingen, noch einen fünften mit sich und abermals hörten sie ganz deutlich von der Leine her dreimal den Ruf um Hülfe. In der dritten Nacht gingen die vier wieder an die Stelle, um zu fischen und auch diesmal rief wieder eine Stimme aus der Leine dreimal um Hülfe. Am Tage nach dieser Nacht wollte nun ein Knecht aus Hollenstedt, welcher eingefahren hatte, im Mittage seine vier Pferde, welche ganz heiß waren, im Wasser abspülen und ritt mit ihnen in den Kolk hinein; die beiden hinteren hatte er den vorderen an die Schwänze gebunden. Kaum war er aber etwa zehn Schritt weit hineingeritten, als das Pferd, worauf er saß, schon unterging; zwar kam er wieder empor und man sah ihn noch einmal auf einem anderen Pferde sitzend; aber er vermochte nicht sich zu retten, sondern ertrank vor den Augen von vielleicht sechzig Menschen. Mit ihm waren die zwei sehenden Pferde ertrunken, während die beiden andern, welche blind waren, wieder heraus kamen.


Georg Schambach, Niedersächsische Sagen und Märchen, Göttingen 1855

 

 

Kampf zwischen Todten.


Zwischen Hollenstedt und Höckelheim auf dem Felde haben sich einst die Einbecker und die Nordheimer eine Schlacht geliefert. Die Erschlagenen, Einbecker und Nordheimer, sind in ein gemeinschaftliches Grab geworfen. Aber selbst im Tode können sie sich nicht vertragen und wollen nicht einmal in demselben Grabe liegen, so daß die einen die anderen daraus vertreiben möchten. Daher steigen sie alle Jahre in der Nacht nach dem Tage der Schlacht wieder aus dem Grabe und kämpfen hier mit einander.

 

 

 

 

 

 

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